Neujahres-Empfang vom Club Bel Etage / Galerie Salon Petra Rietz
KulturTermin 13. Januar 2012
Reges Interesse: Grosser “Kleiner Neujahres-Empfang” vom Club Bel Etage, organisiert in Kooperation mit Galerie/Salon Petra Rietz in Berlin Mitte; zugleich die Finissage der Bilder-Ausstellung von Claus Brunsmann.

links: Gemälde von Claus Brunsmann / Photo-Edition Club Bel Etage
(bei Interesse: simmen@snafu.de)
rechts: Club-Kommunikation

Jeannot Simmen begrüsst / CBE-Mitglieder und Referenten beim NeujahresEmpfang 2012
Jeannot Simmen skizziert in einer launigen Ansprache den Fokus bei den Lunch-Vorträgen im neuen Jahr: Zukunfts-Initiativen in/aus Berlin und First-Class-Optimierung. Der anhaltende Erfolg von Berlin als Kultur-Metropole und melting pot von Kunst und Gestaltung resultiert aktuell in Masse, statt: Qualittät. Die Tourismus-Manager bejubeln in höchsten Tönen die gestiegenen Touristen-Hordenl. Simmen sinniert ironisch über einen Zuzugs-Stopp für Künstler und Kreative, damit der Rest Deutschlands nicht unterversorgt, damit Kunst und Kultur in Berlin nicht weiter häppchenweise nivelliert werden.
Nach einem erfolgreichen 2011 mit interessanten Veranstaltungen (www.club-bel-etage.de/kategorie/bilder/ “) und guter Resonanz, wird 2012 die Photographie im Fokus der KulturTermine stehen; besucht werden Ausstellungen, diskutiert mit Foto-Künstlern und engagierten Galeristen.
Präsentiert wurde erstmalig die Edition 2011-12 eine Photographie der Nationalgalerie:
2011: Neue Nationalgalerie Berlin 2009, Architekt: Mies van der Rohe (1968)Fotograf: Jeannot Simmen, Berlin 2009
Limited Edition 12 Ex., 3 Ex. E.A. –
verso nummeriert und signiert
Format ca. 20 × 30 cm Farbfotografie
Hahnemühle Photo Rag-Papier 305 g
Abzug: das foto image factory Berlin
Passepartout 30×40 cm, 3 mm,
Rahmen Boesner Photo-Edition 30×40 cm
Preise inkl. 19 % MWST: Mitglieder CBE mit Rahmen 130.––
Nicht-Mitglieder mit Rahmen 160.—
Bitte abholen – Versand: Porto/Verpackung: Euro 15.—
Galerie Claes Nordenhake, Ausstellung Marjetica Potrc
Führung durch die Ausstellung; Hintergrund-Gespräch mit Claes Nordenhake
KulturTermin, Galeriehaus Lindenstrasse, 9. Dezember 2011
Besuch in Berlins repräsentativen Galeriehaus in der Lindenstraße: Claes Nordenhake, profilierter und internationaler Galerist, führt uns mit seiner Mitarbeiterin durch die aktuelle Ausstellung: Marjetica Potrc hat Architektur und Skulpturen geschaffen, die Lebenssituationen in Israel reflektieren und dazu vorgefundene Baumaterialien und Bauformen nutzen. Ausgestellt sind Zeichnungs-Konvolute, die mit Textversatzstücken auf Lebenssituationen in Israel rekurrieren. Die Arbeiten beeindrucken uns, weil sie keine plakativen Stellungnahmen hervor kehren.

Marjetica Potrc, Galerie Nordenhake, Berlin
Danach lädt uns Claes Nordenhake auf einen Wein in die über der Galerie gelegenen Ausstellungsräume ein und stellt Bilder und Skulpturen seiner Sammlung vor. Neben vielen anderen Werken sehen wir Tiger Tiger von Spencer Finch, Werke von Miroslav Balka, François Morrelet, Gunter Umberg, Ulrich Rückriem und Joseph Marioni.

Klaes Nordenhake vor Gunter Umberg
Angeregt diskutieren wir in den fabelhaften Ausstellungsräumen die aktuelle Berliner Kunstpolitik. Claes Nordenhake, ein vehementer Verfechter des Berliner Gallery Weekends und der ABC, meint, dass der Verlust des Artforums als Messe für Berlin verkraftbar sei. Der Senat sei aufgefordert, die Berliner Galerieszene weiter zu fördern. Sie sei Kapital für diese Stadt. Und da wollen wir nicht widersprechen.
Stefan Hain
Michael de Ridder, Chefarzt Urban-Krankenhaus
Wie wollen wir Sterben? Medizin am Lebensende.
Gabeln im Kaisersaal, 8. Dezember 2011
Zu uns spricht ein engagierter Arzt, der die Patienten, den Patienten-Willen und sein Wohlergehen ernst nimmt. Ein Arzt, der nicht notgedrungen Schläuche legt, Transfusionen anordnet, mit Sonden, apparativ das Sterben verzögert. Das sind Tabu-Themen und Felder schwieriger Abwägungen für Differenzierungen im Graufeld von Noch-Leben und Nicht-Überlebensfähig.

Dr. de Ridder spricht eindeutig und leidenschaftlich, kompromisslos. Er zeigt an einem Fall, wie komplex eine Urteils-Findung werden kann, da auch Juristen und Gerichte über die Patienten-Verfügung urteilen. Eine rege, höchst aktive Diskussion schliesst sich an; unser Büchertisch ist ‘ausverkauft’ – eine der interessantesten ‘Gabeleien’ vom Club Bel Etage.
Am Schluss informiert er uns über sein neues und interessantes Projekt: die Gründung eines Hospiz in Berlin, wo anders, menschlicher gearbeitet werden wird.
Aufnahme: Verlag
Theater-Performance "Birds with Skymirrors"
Regie/Konzept: Lemi Ponifasio und MAU [Samoa, Neuseeland, Kiribati]
KulturTermin, Berliner Festspiele, 1. Dezember 2011
Lemi Ponifasio – charismatischer Theatermacher – veranschaulicht Rituale: Komponiert Tanz zur Zeremonie, schafft aus Gesang fremder Klänge ein betörendes Ambiente … das die Zuschauer berührt und distanziert. Fremde Welten: Samoa, Neuseeland.

Gefunden werden Bilder die unheimlich den Zuschauer herausfordern, überfallen. Gewaltige Bilder: Dunkle Männer-Rücken, die wie schwere Tiere nach vorne bedrohlich erscheinen oder eine Frau, die mit den Schultern unheimlich und anmutend sich bewegt. Mit Projektionen (ölverschmierte, verreckende Seevögel) wird auf den Klimawandel verwiesen, auf von Menschen verursachte Zerstörung der Natur. Bei You Tube findet sich ein passables Video:
www.youtube.com
Vieles bleibt streng und zu formal, aus dem Tanz wird nur elegischer Protest, so ehrbar, wie rührig. Für westliche Augen irritierend sind die Männer-Zeremonien (die an Kampttechnik-Übungen oder Kriegs-Einstimmung erinnern) und die Frauen (die als nackte Klage-Schönheiten) etwas selbstdarstellerisch wirken. Problematisch für uns Westler ist die Nicht-Kommunikation zwischen Mann und Frau, da bleibt Tradition für uns traditionalistisch.
“Birds With Skymirrors” Der Titel ist inspiriert (so die Presse-Meldung): von einem Erlebnis Lemi Ponifasios auf der Pazifikinsel Tarawa. Er beobachtete Seevögel, die glänzende Knäuel im Schnabel trugen. Diese »Himmelsspiegel« entpuppten sich bei näherem Hinsehen als Streifen schwarzen Magnetbands, angeschwemmt vom großen pazifischen Müllstrudel. Die irritierende Schönheit dieses apokalyptischen Sinnbilds wurde zum Ausgangspunkt der Theaterkreation …
Jeannot Simmen
Aufnahme Sebastian Bolesch, Berliner Festspiele
Dr. Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele (ab 1.2012):
“Idee Festspiele – Gemeinschaft auf Zeit”
Gabeln im Kaisersaal, 10. November 2011
Die “Berliner Festspiele” sind ein Erfolgsmodell, das sich stets wandelte. Im alten West-Berlin ein Tanker, dirigiert von Dr. Ulrich Eckhardt von 1973 – 2000. Dann bis 2011 ein Flottenverband mit Schnellschiffen und U-Booten, der Grundtenor war nicht mehr der Glanz in der Frontstadt des Kalten Krieges. Dr. Sartorius favorisierte einen sanften Kammerton, Experimente und Sondierungen im neuen Gesamtberlin, wo viele Künstler und Interessierte den neuen Meltingpot bilden.

Der einleitende Vergleich gefiel Thomas Oberender, er erweiterte in freier Rede sein Konzept, durch den Vergleich zwischen den Salzburger Festspiele (die er vier Jahre leitete) und den Berliner Festspielen, wo er zukünftiger Intendant sein wird.
Auf überzeugende Weise legt Thomas Oberender dar, dass Voraussetzungen und Ziele der beiden Festspiele sich grundlegend unterscheiden, weswegen keines von beiden Modellcharakter für das jeweils andere haben kann. Die Aufgaben der Berliner Festspiele haben sich seit der Maueröffnung gewandelt und aufgefächert und dem hat jede, auch die neue Intendanz, Rechnung zu tragen. Und das bedeutet, dass für die Berliner Festspiele die inhaltliche Schärfung und der Ausbau von Korrespondenzen in den einzelnen Teilbereichen der Festspiele Vorrang haben werden. Vor der „Gesamtschau“, was aber einer Fokussierung und einer behutsamen Erneuerung des Erscheinungsbildes nicht entgegenstehen soll.
Jeannot Simmen ermuntert Thomas Oberender am Schluss unter anhaltendem Beifall der Teilnehmer dazu, auch das Riskante und Schwierige zu wagen. Der Club Bel Etage wird die Festspiele dabei gerne durch Teilnahme und Werbung begleiten. Wir freuen uns, auf künftige Kulturtermine. Stefan Hain
Aufnahmen: Petra Dahmen
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