Jeannot Simmen

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Projekte Büro Simmen

CBE-KulturTermin: Elisabeth Masé, „DAS KLEID“, Ausstellung / Projekt mit geflüchteten Frauen, Gespräch in der Galerie Katharina Maria Raab mit der Künstlerin und den beteiligten Frauen. 20. Juli 2016

Beim Kunstprojekt DAS KLEID von Elisabeth Masé besticken Frauen aus Berlin gemeinsam mit Frauen, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten Kleider aus ungefärbtem Porträtleinen.
Mit einem einheitlich roten Garn formulieren die aus Afghanistan, Syrien, dem Irak ebenso wie aus Berlin stammenden Frauen ihre Zukunftswünsche.
Sie erzählen Geschichten und tauschen traditionelle Muster und Sticktechniken aus.

Das Sticken wirkt als Kommunikationsmittel zwischen den unterschiedlichen Kulturen. Das fertige Kleid wird zu einem Gemälde, das sowohl die Geschichte jeder Einzelnen als auch eine gemeinsame Geschichte abbildet.

Den Rahmen der Ausstellung werden Bilder von Elisabeth Masé gezeigt. Stets eine formal gleiche Bildanlage mit einer Frau im Profil und gleicher Haltung – doch unterschiedlich in Kleidung und Stimmung … als ob eine Künstlerin durch die Jahrhunderte bis heute ein Bild in stets zeitgenössischer Vielfalt gemalt habe.

Ein sinnvolles, durchdachtes Kunst-Projekt zur Flüchtlings-Thematik: Sympathie und Solidarität sind spürbar bei diesem ‘Von-Frauen-für-Frauen-Projekt’. Ein glücklicher Versuch: ein Kunstprojekt schafft Gemeinschaft, ein Quentchen Glück spürbar bei jenen, die durch Flucht Alles verloren haben und auch bei jenen die etwas helfen konnten.

Galerie Katharina Maria Raab / Jeannot Simmen
Aufnahmen: Frank Suffert und Galerie

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CBE-SommerFest: Thé dansant mit Friedrich Liechtenstein „Tankstellen des Glücks“; Laudatio von Bazon Brock (Ehrengast), Ansprache Jeannot Simmen, „Garage du Pont“ in Potsdam, 16. Juli 2016

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CBE-Lunch im Kaisersaal: Andreas Rötzer, Verleger, Matthes & Seitz, Berlin: „Der Verlag als Labor. Über die Natur und das Büchermachen“, 6. Juli 2016

Matthes und Seitz – eine Geschichte von Niedergang, Rettung und Triumph. 1977 in München von Axel Matthes und Claus Seitz gegründet und mit Autoren wie Artaud, Bataille, Leiris und Baudrillard erfolgreich, dann etwas den Kontakt mit dem Zeitgeist verloren, wird er nach dem ökonomischen Niedergang von seinem ehemaligen (studentischen) Teilzeit-Buchhalter Andreas Rötzer als Verleger ab 2004 in Berlin verlegerisch neu ausgerichtet. 

Und wie! Mit ambitionierten, erst- und einmaligen Gesamtausgaben (Warlam Schalamow und Jean-Henri Fabre), der Reihe „Naturkunden“ und schließlich dem Deutschen Buchpreis für den Roman „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ von Frank Witzel. 

Andreas Rötzer zeigt uns auf faszinierende Weise die verschlungenen Wege, die zu solch einem wunderbaren Verlagsprogramm führen.

Lutz Hillus

Aufnahmen: © Eleonora Frolov, © MSB

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CBE-Lunch im Kaisersaal: Wolfgang Ulrich, Autor: „Siegerkunst“, Neuer Künstlermythos, Wie ändert sich die Produktion von Kunst bei Studio-Fertigung, 15. Juni 2016

Ausgebuchte Veranstaltung – Wolfgang Ulrich löst ein, was der Titel verspricht: Wandlung des Künstlerbildes von Kants Künstler als maßstabsetzendes Genie, als autonomem Außenseiter, der sich bewusst vom Hofkünstler als Diener seines Herren absetzte. Heute entwickelt sich der Einzelgänger der Moderne zurück in die Rolle eines ‚Hofkünstlers’, dessen Werke vor allem den Auftraggeber und den Sammler preisen. 

Siegerkunst ist die neue Must-have-Marke der Erfolgreichen. Kunst als Mittel der Repräsentation, deren Wert sich über die Höhe des erzielten Preises am Kunstmarkt bestimmt. Kunst-Kritik wird in den Medien durch die sensationsheischende Berichterstattung über erzielte Preise abgelöst.  

Ulrich skizziert an Ai Weiwei, Olafur Eliasson und Jeff Koons die Produktionsweisen des neuen Künstlertyps: Die Werkstatt, die Endabnahme durch den Künstler und die wichtige “Postproduction”. Der eigentliche Ort dieser Künstler ist aber nicht die Werkstatt, hier produzieren anonyme Mitarbeiter. 

Der Künstler selbst ist mit PR-Arbeit und medialer Selbstdarstellung beschäftigt. Er ist eher in einer globalisierten Öffentlichkeit als in seinem Atelier anzutreffen. Er etabliert sich als globale Marke und betreibt gezielte Markenpflege. Wäre es nicht konsequent, wenn sich diese Marke so von der Person des Künstlers löst, dass sie ihn nach seinem Tod überdauert?

Rege Diskussion, viele Gäste stellten kritische Fragen nach dem spannenden Vortrag.

Lutz Hillus

Aufnahmen: Jeannot Simmen, Eleonora Frolov

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CBE-KulturTermin: Besuch der Ausstellung „Harry Graf Kessler. Flaneur durch die Moderne“, Rundgang mit Prof. Dr. Peter Klaus Schuster, Vorstand Stiftung Brandenburger Tor, 11. Juni 2016

Er war ein Europäer und zog dennoch begeistert in den Ersten Weltkrieg 1915-17. … war hochvermögend und am Kriegsende bettelarm … hochadelig und später der „rote Graf“ … starb nach der Flucht aus dem NS-Deutschland … entehrt in Lyon.

Harry Graf Kessler war ein begnadeter Gesellschaftsmensch … erlebte aber wie die Gesellschaft mit Kaiser und Untergebenen zerbrach … liebte den Jugendstil und van der Velde … war später von der Direktheit und Sozialkritik der Graphiken eines Georg Grosz begeistert.

PKS, Peter Klaus Schuster führt uns parlierend, erzählend durch das Panoptikum von HGK. Geleitet uns ins Private seiner von Van der Velde gestalteten Kunst-Wohnungen, ins Öffentliche seiner vielen Initiativen für die Kunst und vor allem für die Weckung vom Interesse am Neuen in der Bildenden Kunst; PKS kongenial zu HGK.

57 Jahre Tagebuch, 12’000 Namen: Er kannte Alle und Alles. Er initiierte vieles, gründete die Cranach Presse mit bibliophilen Editionen und leitete Kunstvereine. – Die Ausstellung zeigt auch Kunst, inszeniert aber phantasievoll das Leben von HGK. Zeigt mit visuell gelungenen Projektionen Tagebuch-Notate im jeweiligen Zeitkontext. Hochinteressant und besonders – eine Ausstellung, Idee und Konzept von Christoph Stölzl.

Jeannot Simmen

Aufnahmen: Eleonora Frolov

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